Mer Blieve Zesamme von 1937 e.V.

Historie (Fortsetzung)

„Mer blieve zesamme“ sagten sich einige Senatoren und Mitglieder, die sich 1937 von der „Großen“ trennten. Und so wurde aus dem Wunsch „zusammenzubleiben“ – fast wie von selbst – eine neue Karnevalsgesellschaft geboren. Obwohl die Zeit nicht gerade günstig für eine Gesellschaftsgründung war, entwickelte sich die MBZ gut. Zunächst veranstaltete man kleinere Familienabende in der „Gletscherspalte“ der Wolkenburg, an deren Programmgestaltung stets Mitglieder beteiligt waren, z.B. Vorstandsmitglied Bernhard Röhrig als Prof. Kallendr…ser, als vorzüglicher Büttenredner.

Die junge Gesellschaft mauserte sich. Die Besucherzahlen der Veranstaltungen wurden stärker, man benötigte größere Räume – zuerst den Casinosaal und dann den großen Saal der Wolkenburg. Nur wenigen wird bekannt sein, dass es bei der MBZ-Sitzung am 12.2.1938 in der Wolkenburg zu der Uraufführung eines Liedes kam, das in Köln so bekannt wurde wie kaum ein zweites: „Die Kaygass Nummero Null“. Der Text stammt von Willi Herkenrath, die Melodie von Hermann Kläser. Beide hatten sich einige Jahre zuvor mit Heinrich Jung zu den „3 Laachduve“ zusammengeschlossen und das Lied an diesem Abend als Zugabe gesungen.

Ein großer Teil des Erfolges der MBZ ging in dieser Zeit auf das Konto zweier Männer: Klaus Bintz, des schlagfertigen Präsidenten, und des Schriftführers Franz Chorus, dessen Vereinslieder begeistert aufgenommen wurden. Die Kriegswirren setzten dem gesellschaftlichen Leben in Köln ein jähes Ende.

Erst Anfang 1946 konnte das Vereinsleben wiederaufgenommen werden. Weiberfastnacht stieg die erste – improvisierte – Sitzung mit vollem Erfolg. Spätestens bei der Jubiläumssitzung am 7.2.47 im „Atlantik“ fanden die Initiatoren die Richtigkeit des Beschlusses – zusammenzubleiben – bestätigt. Die Anmeldungen waren so zahlreich (ca.800 Karten), dass die zur Verfügung stehenden Karten (450) zugeteilt werden mussten.

Nachdem Sitzungspräsident Klaus Bintz Mitte 1947 aus Altersgründen zurückgetreten war, fiel die Wahl auf Jupp Wallraf vom KMGV. Er leitete 15 Jahre lang neben den MBZ-Sitzungen auch die Kostümfeste, die zunächst im Fürstenhof und später im Excelsior stattfanden.Auch außerhalb der session entwickelte sich gesellschaftliches Leben. Die MBZ veranstaltete Sommerfeste, Ausflüge, Damenzirkel und Nikolausfeiern.

Im Jahr des Silberjubiläums, 1962, trat Wallraf zurück. Als seinen Nachfolger empfahl er der Gesellschaft Hans Lindemann, bereits erfolgreich als Tanzoffizier der Großen Mülheimer, sowie Literat und Vizepräsident der Narrenzunft. Sein Debüt gab Hans Lindemann, dessen charmante Art sofort Anklang fand, als Leiter einer glanzvollen Jubiläumssitzung am 3.2.62 in der Flora. Die gute Entwicklung der Gesellschaft setzte sich unter Lindemann fort. Als die Räume der Flora allmählich zu klein wurden, hielt man Einzug in die Sartorysäle.

Der unvergessene Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Session 1976, in der die MBZ das Dreigestirn stellte:

Hans Lindemann (Prinz)
Hans Burckhart (Bauer)
Jan Uwe Disselbeck (Jungfrau)

Mit der Übernahme des Präsidentenamtes durch Jan Uwe Disselbeck am 23.4.80 lebten die Kostümbälle im Hotel Excelsior wieder auf. Es war erfreulich festzustellen, dass immer mehr junge Leute Spaß an den Veranstaltungen der MBZ fanden und an den Rosenmontagszügen teilnahmen.

Doch alle Freude wurde getrübt, als 1983 – innerhalb weniger Wochen – zwei Männer des närrischen Trifoliums von 1976 starben: Hans Lindemann und Hans Burckhart. Beide haben unsere Gesellschaft maßgeblich geprägt. Während der Präsidentschaft von Jan Uwe Disselbeck wurde auch das gesellschaftliche Leben außerhalb der Session gepflegt. Man traf sich zu Sommerbällen, Spargelessen und zu Feiern in den Räumen der Casino-Gesellschaft, zu der seit Oktober 1974 enger Kontakt besteht. Aus beruflichen Gründen stand Jan Uwe Disselbeck bei den Neuwahlen am 24.6.87 nicht mehr zur Verfügung.

Sein Nachfolger wurde Paul Bong – Kölner mit Leib und Seele – der versprach, die Tradition der großen MBZ-Familie fortzuführen. Zur selben Zeit waren auch die Posten des Vorsitzenden und des Schriftführers neu zu besetzen. Reinhard Richter wurde nun Nachfolger von K.H.Müller-Pering. Und da die MBZ gern als fortschrittlich galt, hatte Jan Uwe Disselbeck – noch vor seiner Amtsübergabe – versucht, eine Frau für die Vorstandsaufgabe zu gewinnen. Mit Dr. Irma Berger wurde erstmals eine Frau in den Geschäftsführenden Vorstand der Gesellschaft geholt, deren Aktivitäten in den folgenden Jahren sich nicht auf die Schriftführung beschränken sollten, sondern in der Organisation zahlreicher Veranstaltungen und Freundschaftsreisen widerspiegelten.

Geblieben waren vom früheren Vorstand Schatzmeister Werner Tubes und – eines der Urgesteine der MBZ – Klaus Dambach als Geschäftsführer. In Köln sagt man: „Von nix kütt nix!“. Und so war dann auch in der Anfangszeit erst einmal eine intensive Orientierungsphase des um Dreifünftel „erneuerten“ Vorstandes vonnöten. Doch man war voller Ideen und Tatendrang. Mitglieder wurden „per pedes“ durch die Kölner Geschichte geschleust oder auf einem für die MBZ gecharterten Schiff zum „Rhein in Flammen“ gefahren.

Dem Himmel sei Dank für einen Literaten wie Dr.Joachim Wüst, der mit spritzigen Sitzungsprogrammen aufwartete und sich selbst durch ein – von Literaten stets gefürchtetes – „Loch im Programm“ nicht aus der Fassung bringen ließ. Kurzerhand verteilte er Noten unter die Musiker und überraschte den Saal mit einem nahezu professionellen Musikvortrag. Man muß eben alles künne!

Bei allen Bemühungen des Vorstandes blieb der erfolg nicht aus. Die Erweiterung der Veranstaltungsangebote stieß auf immer mehr Interesse bei jungen Leuten, die ihre Mitgliedschaft in der MBZ beantragten. Mit Jazz-Brunch am Pfingstmontag – bei dem man auch Freunde der Bürger-Gesellschaft trifft, - Rotweinweg-Wanderungen, Führungen, festlichen Messen und Adventsfeiern, sei nur angerissen, was das MBZ-Leben ausmacht – außerhalb der Session versteht sich. Zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders ist seit einigen Jahren die „Freundschaftsreise“ geworden.

Ein ständig größer werdender Kreis von Mitgliedern reiste nach Wien Amsterdam, Brüssel, Moskau/St.Petersburg, Peking/Xian und – alle Wege führen bekanntlich dorthin – nach Rom. Eine einzige Veränderung im Vorstand ergab sich 1992, als Alfons Vay – früher Schriftführer – den Vorsitz übernahm. Als wohl einer der jüngsten Literaten in Köln übernahm 1993 Thomas Vay – nach einer längeren Elevenzeit bei seinem Vorgänger das Amt der Gesellschaft. Ein Glücksfall, wie sich gleich bei den ersten Sitzungsprogrammen zeigt.